Sinpa ist eine Abkürzung für sin pagar und bedeutet das Restaurant verlassen ohne zu zahlen.Dass mir mal sowas passieren würde, hätte ich bis vor kurzem nicht gedacht. Aber das Schicksal wollte es, dass wir im Rahmen des Abschieds von Jenny von Bar zu Bar zogen und mit jeder Bar ein bisschen mehr Alkohol intus und ein bisschen weniger Geld in der Tasche hatten. Mit steigendem Alkoholpegel sank selbstverständlich die Hemmschwelle und Zurechnungsfähigkeit rasant....

Ganz unschuldig begannen wir zu viert in einer Bar in La Latina. Gloria und ich mit einem Martini, Jenny mit einem tinto de verano, Ruben mit einer caña. Dazu haben wir natürlich fleissig die gratis Nüsschen gegessen, die zum Getränk normalerweise aufgetischt werden.Irgendwann wechselten wir die Bar, wo dann Christof zu uns stiess. Nach zwei Runden Bier war Gloria in Aufbruchstimmung und wollte gehen (sie hat immer Stress wegen des letzen Buses....). Dass Ruben auch aufbricht konnten wir gerade noch verhindern, wir betraten das nächste Lokal. Wieder ein tinto de verano. Es war kurz vor 24 Uhr als wir auch diese Bar verliessen und auf der Strasse besprachen wie es weiter gehen soll.
Jenny erzählte uns von einer supertollen Mojito-Bar, die wir unbedingt kennenlernen müssten und wo wir nun wirklich den letzten Schlummertrunk zu uns nehmen würden. Ich wollte zu diesem Zeitpunkt eigentlich nach Hause, ganz abgesehen davon, dass ich keinen Cent mehr in der Tasche hatte. Aber da ich vorher Ruben zum Bleiben überredet hatte, durfte ich nun auch nicht gehen....Gut also, die Mojito-Bar. Sie war gleich um die Ecke. Wir setzten uns hin und bestellten die erste Runde Mojitos. Wie das so ist, vergeht beim Plaudern die Zeit und plötzlich stand ein zweites Glas vor mir. Ich hatte nix bestellt! Aber dafür Jenny....
Ok, der Mojito war wirklich gut, mit frischen Pfefferminzblättern.... mhmmmm..... ein Traum.... Die Rechnung dazu war auch ein Traum, ein Albtraum: 64 Euro!!!Christof war empört und meinte das könne nicht sein. Wir fragten beim Kellner nach, ob es sich um ein Versehen handle, ein Mojito koste normalerweise höchstens 6 Euro. Aber nein, der Kellner schüttelte den Kopf, seine Antwort liess keine Interpretationen zu.
Gut, alle begannen verlegen in ihren Portemonnaies herumzukramen (ich nicht, ich hatte ja nix mehr...). 52 Euro brachten wir mit Ach und Krach zusammen. Nicht genug. Wir besprachen, was zu machen sei. Christof wollte gehen, Jenny wollte Geld holen und mir war zu diesem Zeitpunkt schon alles egal. Während wir diskutierten kam der Kellner vorbei und nahm das Geld, das auf dem Tisch lag mit (hier zeigt sich wie diletantisch wir vorgingen. Hätten wir wirklich ohne zu Zahlen abhauen wollen, hätten wir kaum den unvollständigen Betrag hingelegt und dann seelenruhig weiter diskutiert.... eigentlich spricht dies für uns und gegen unsere kriminelle Energie...).
Ich musste dringend aufs Klo und als ich zurück kam waren Jenny und Christof weg. Ruben sagte: "wenn ich zurück bin gehen wir." Die Botschaft kam zwar akkustisch an, aber bis zu meinem Gehirn ist sie wohl nie ganz vorgedrungen... ich nickte nur und dachte ein paar Sekunden später: "hä? que pasa?!?!?" Kaum blitzte der Gedanke in meinem Hirn auf, war er auch schon wieder weg (eigentlich ist es schon erstaunlich wie gleichgültig man mit Alkohol wird...). Während Ruben auf dem Klo war tauchte Christof vor der Türe auf und machte Zeichen. Ich grinste nur, mir war klar was er wollte.
Als Ruben zurück kam, erhob ich mich wie eine Marionette und schon spazierten wir zur Türe raus. Der Kellner rief uns beim Hinausgehen hinterher. Wir nix dergleichen, liefen einfach weiter (so arschcool bin ich noch nie an einem schreienden Kellner vorbeigelaufen....). Draussen meinte Ruben, los jetzt müssen wir rennen. Und ich mit meinen Absätzen meinte nur: "ne sorry du, ich kann nicht". Entweder wir schaffen's so oder dann eben nicht.
Der Kellner hatte Verstärkung geholt und war uns schon auf den Fersen. Er hielt Ruben als Ersten an und begann auf ihn einzusprechen. Ich ignorierte ihn komplett und lief einfach weiter. Aber irgendwann konnte auch ich ihn nicht mehr ignorieren und vor allem Ruben nicht alleine zurück lassen. Wir liessen uns also auf eine Diskussion ein. Ich wollte verhandeln und machte den Vorschlag, dass ich morgen zurück käme, um die Zeche zu bezahlen (das kann man hier tatsächlich machen, aber nach dem was wir abgezogen hatten, waren wir wohl nicht mehr allzu glaubwürdig...).
Der Kellner verlangte einen Ausweis als Pfand oder zumindest ein Handy. Von beidem wollte ich mich nur ungerne trennen. Und dann wurde er sauer und wollte uns in die Bar zurückdrängen. Da schlug ich vor Geld holen zu gehen. Der Kellner liess mich gehen unter der Bedingung, dass Ruben zurückbleibt.
Hinter der nächsten Ecke warteten die beiden anderen. Gemeinsam gingen wir zum nächsten Bankomaten, natürlich gab's keinen meiner Bank, das heisst ich musste Komission bezahlen.
Und so konnten wir Ruben nach einer für ihn wohl endlos langen Zeit aus den Klauen des ihm ins Gewissen redenden Mojito-Bar-Kellners befreien.
Mittlerweile auch schon wieder ein bisschen nüchtern, entschuldigte ich mich gebührlich beim Kellner, es tat mir wirklich leid. Und er meinte nur, wenn ihr an andere Leute geraten wärt, dann hätten die euch unter Umständen zusammengeschlagen. Ich war heilfroh, dass dies nicht der Fall war.....
Es wird mir eine Lehre sein!
Lo siento mucho, Mojito-Bar-Kellner.
5 comentarios:
What comes around goes around. ;)
Gut dass ihr noch bezahlt habt.
Grüsse vom Bruder.
Ich glaub da fehlt ein kleiner Satz am Schluss
*Namen sind von der Redaktion geändert aber dem Schreiber bekannt.
Hey ihr werdet no gföhrlic, sobald ich nüme ume bin macheder nur no seich. Fay, Fay ich glaub ich mues das bi dim Polizeiposte melde ;-) hihihihi
hihi, i fasch abe, ha dä itrag itze gschnäu müesse läse. si mi natürlech grad aui cha frage wasi da grad luschtigs mache =)
fay, du hesch äs schribtalent, du hesch di gschicht wunderschön verzeut =)
hesch eigentlech scho gmerkt, dass bim ängli-foto über mir steit "vom usstärbe bedroht" :P bi haut scho ä säuteni art!
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